29.09.17 “Vernissage”

Bild_Unbeständigkeit

Unbeständigkeit

“Bilder und Video – Installation von Enrico Pietracci”

 

Die Inspiration zu den Arbeiten fand der Künstler mitten in einer introspektiven Phase. Ihren Ausdruck findet sie in einer Art “malerischer Weiterbearbeitung“ des Gelebten und der kollektiven Erinnerung.

Die Wiederentdeckung des umgebenden Raumes (Stadt) und die Spuren unzähliger anonymer Wesen (ihrer Bewohner) die mit ihm interagiert haben, haben eine neue Phase der “ästhetischen Erforschung” eingeleitet.

 

Eine andere Quelle der Inspiration bei der neuen ästhetischen und konzeptionellen Recherche ist das Milieu mit seinen unzähligen Erinnerungen an persönliche Geschichten, die sich in privaten Familienfotos widerspiegeln, Fotos, die in dem Sammelsurium einiger Flohmarktkisten gelandet sind.

Eine ikonografische Exhumierung einer „privaten Dimension“ in konstanter Transformation. Eine Art (urbane) Archäologie, bei der es um das Ausgraben und das Wiederbeleben privater Fotografien geht, übersetzt und filtriert in einer Art malerischem Blow-up.

 

Ein Familienalbum verkörpert eine geordnete Sammlung von Fotografien, festgehalten auf gebundenen Seiten. Das Objekt selbst, in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, ist jedoch wesentlich komplexer. Es ist eine visuelle Biographie. Das Familienalbum stellt eine wichtige Etappe in der Geschichte der Selbstdarstellung dar. Es gab den Personen die zum ersten Mal die Möglichkeit, sich eine persönliche, mehr oder weniger idealisierte Geschichte auszudenken. Familienalben sind ein Versuch, die Erinnerung an Ereignisse, die zu schnell vorübergehen, festzuhalten und weiterzugeben.

 

Die einzelnen, aus ihrem Kontext gerissenen Fotografien verlieren ihre ursprüngliche Funktion, ihre Bedeutung ändert sich. Aber auch wenn die Kette gerissen ist und die Geschichten auseinandergenommen sind, so ist die augenscheinliche Banalität der Geschichte paradoxerweise zu einem Mysterium mutiert, das es aufzuklären gilt. Die „kleinen Ereignisse“ üben eine unbeschreibliche Faszination aus die zu einer Art visueller, extrem fesselnder Schatzsuche anregt.

 

Ungeachtet der Tatsache, dass sie nichts mehr mit der Realität der Personen zu tun haben, wird das Interesse an diesen Bildern durch die Intimität der Subjekte lebendig gehalten, die in der malerischen Übersetzung eine neue, originelle Dimension erlangen welche dazu beiträgt, ihre Einzigartigkeit weiter zu verbreiten und noch einmal zu unterstreichen.

 

Ort:                 private office club berlin
                        Marburger Straße 2, 10789 Berlin (3. OG)

Thema:          „Vernissage“

Datum:           29.09.2017

Beginn:           ab 18:00h

                        um 19:00h Lesung von Gedichten über die Erinnerung mit der                               Schauspielerin Iris Boss